14.–19. August 2017

Department of Applied Music

Bill Dietz, Janina Janke & Julie RĂŒter

Bei den ursprĂŒnglichen WerkstĂ€tten des Bauhauses war der Bereich der Musik nicht vertreten. Ungeachtet der GerĂŒchte, dass eine solche Abteilung geplant war (beispielsweise unter der Leitung von Josef Matthias Hauer), bleiben bis heute fundamentalere Fragen zur Stellung von Musik in Bezug auf die „angewandte Kunst“ unbeantwortet.

Von der Gebrauchsmusik Paul Hindemiths ĂŒber die faschistische Instrumentalisierung der Musik im Sinne Heinrich Besselers, bis hin zu den kommerziell und industriell orientierten zeitgenössischen akademischen Bereichen der „angewandten Musik“, bleibt doch der Gedankenhorizont, der den „Gebrauch“ von Musik umgibt, Ă€ußert beschrĂ€nkt, und gebunden an ein normatives Modell, was Musik verkörpern und was sie bewirken kann. Im spekulativen Streben nach dem, was eine „Bauhaus-Werkstatt fĂŒr angewandte Musik“ hĂ€tte sein können, mĂŒsste man die Musik so radikal angehen und als solche zum Thema machen, wie man es mit andere Disziplinen getan hat. Im Kurs werden verschiedene Richtungen musikalischer und akustischer Experimente nachvollzogen, die der Frage nach der Vermittlungsfunktion von Musik in der Kunst und im Leben – also ihrer „Funktion“ – nachgehen.

Der Kurs richtet sich sowohl an Musiker/-innen als auch an Nicht-Musiker/-innen ohne technische Vorkenntnisse. Im Gegenteil, je interdisziplinĂ€rer die Gruppe der Teilnehmer/-innen ist, desto besser. Da der Kurs anstrebt, die Besonderheiten von Theorie und Praxis miteinander zu verweben, sind Theoretiker und Wissenschaftler genauso willkommen wie praktizierende KĂŒnstler. Das spezifische, auf Erfahrung beruhende Wissen aller Teilnehmer/-innen ist ausschlaggebend fĂŒr unser VerstĂ€ndnis der gegenseitigen Beeinflussung von Theorie und Praxis.

Im Einzelnen wird der Kurs sich innerhalb und außerhalb der Bauhaus-Bundesschule mit den zusammenhĂ€ngenden Darbietungen einzelner Momente der Akustik-Avantgarde des 20sten Jahrhunderts beschĂ€ftigen, von sowjetischen GerĂ€uschmusik-Amateur-Orchestern bis hin zu John Cage. Auf der Grundlage von gemeinsamen Experimenten bei der Wiederherstellung solcher Werke vor Ort, werden mit den Teilnehmer/-innen neue und situationsspezifische akustische Formate unter Zuhilfenahme aller verfĂŒgbaren zeitgenössischen Technologien entwickelt.

Keine Buchung mehr möglich

Bill Dietz, Janina Janke, Julie RĂŒter
WĂ€hrend der vergangenen zehn Jahre ist Bill Dietz Musikkompositionen nicht als Arrangement von Tönen nachgegangen, sondern als Koordinierung und Verbreitung des Zuhörens. Zusammen mit Janina Janke entwickelte er umfangreiche Ton-Installationen in Le Corbusiers UnitĂ©s d‘Habitation in Berlin und Marseille, ebenso wie das Gemeinschaftswerk Musterhaus in einem leeren Kaufhaus (Neues Kaufhaus Held) in Leipzig. Die Arbeiten von Janina Janke und Julie RĂŒter beschĂ€ftigen sich mit stĂ€dtischem, sozialem und rĂ€umlichem Wandel. Von 2016 bis 2018 leiten Janke und RĂŒter die Ausstellung „ANKOMMEN bauen wohnen leben“ ĂŒber vier architektonische PhĂ€nomene in der Stadt Bernau, gefördert vom Fonds StadtgefĂ€hrten der Kulturstiftung des Bundes. Zusammen mit Bill Dietz wird im Herbst 2017 eine Wiederholung dieses Projekts auf dem Campus der Bauhaus Bundesschule Bernau stattfinden.

http://www.tutorialdiversions.org
http://www.stadtgefaehrten-bernau.de
http://julie-rueter.de
http://janinajanke.de