21. – 26. August 2017

Das bessere Selbst

Isabella Pasqualini

Das bessere Selbst als das architektonische oder technologische Versprechen eines besseren Lebens ist an und fĂŒr sich keine neue Idee. Es findet sich beispielsweise in den Schriften Aristoteles, Francis Bacons „Neu-Atlantis“ oder Hannes Meyers Co-op Projekten. SpĂ€testens seit Ivan Sutherlands „The Ultimate Display“ in den frĂŒhen 1970er Jahren ist es zum Mainstream–Ideal fĂŒr die Entwicklung neuer Technologien geworden, die immersive virtuelle RealitĂ€t mit eingeschlossen.

Beginnend mit Hannes Meyers Co-op Interieur werden wir in diesem Modul ein tieferes VerstĂ€ndnis von Ort- und RaumgefĂŒhl durch immersive virtuelle Medien gewinnen: der Ort, als ein Begriff, der den gegenwĂ€rtigen Moment an ein ganzes Bezugssystem knĂŒpft; der Raum, als immanente Beziehung zwischen Ausdehnung, Zeit und Körper. In diesem Kontext testen wir verschiedene Aspekte der Verkörperung, die von der PrĂ€senz des Nutzers in der virtuellen RealitĂ€t ĂŒber RaumgefĂŒhl und leiblichem Wohlbefinden bis hin zu Stimmung und Emotion reichen. Wir werden individuelle Entwurfsparameter definieren und dabei lernen, wie man die Empfindungen des Nutzers in einer bestimmten Umgebung durch den Gebrauch immersiver Medien versteht und moduliert.

Unsere individuellen EntwĂŒrfe bauen auf einen physischen Ort auf, den wir nach und nach konzeptionell durch den virtuellen Raum erweitern. Das Resultat wird eine massgeschneiderte technologische AnnĂ€herung zum architektonischen Raum sein, der auf einer innovativen Entwurfsmethode mit immersiver virtueller RealitĂ€t basiert.

In diesem Kurs sind solide Grundkenntnisse in 3D-Modellierung oder gute Videofilm- und Videoediting-Kenntnisse sowie ein eigener Laptop mit 3D-Software erforderlich.

Kurs ist ausgebucht

Isabella Pasqualini ist Architektin (Eidgenössische Technische Hochschule ZĂŒrich (ETHZ), 2000) und promovierte Wissenschaftlerin mit einem Abschluss in Architektur und kognitiven Neurowissenschaften (École Polytechnique FĂ©dĂ©rale de Lausanne (EPFL), 2012). Nach dem Studium in Venedig, ZĂŒrich und Madrid arbeitete sie fĂŒr internationale Architekturfirmen und grĂŒndete 2004 ihr eigenes Designstudio. FĂŒr ihr Postdoktorat „Visual Touches – Touching Views“ im Centre de NeuroprothĂšses (EPFL) erhielt sie 2013 ein Fellowship Stipendium durch die „Cogito Stiftung“. Sie ist derzeit Gastwissenschaftlerin am Laboratoire de neuroscience cognitive (EPFL). Ihre Arbeiten erforschen die gegenseitige und intime Beziehung zwischen Körper und Architektur durch immersive Multimedien, mit besonderem Interesse an einer multisensorischen Erweiterung des architektonischen Horizonts. Isabella Pasqualini hat ihre empirischen Forschungsstudien in wissenschaftlichen Fachzeitschriften veröffentlicht (Frontiers 2013, 2017) und ist derzeit Gasteditorin bei Frontiers in Cognitive Science. Im Jahr 2016 prĂ€sentierte sie an der Biennale in Venedig ihre Forschung zur Stimmungserweiterung durch architektonisches Biofeedback. Sie war Gastprofessorin in der Industriedesign-Abteilung der ZĂŒrcher Hochschule der KĂŒnste (ZHdK), an der Kunst- und Designakademie der Tsinghua-UniversitĂ€t in Beijing sowie Dozentin an der FakultĂ€t fĂŒr Ingenieurwissenschaften und Architektur an der EPFL. Isabella hat eine neue Stadt in Angola geplant und ein temporĂ€res BankgebĂ€ude in Luanda gebaut. Sie hat mehrere internationale Wettbewerbspreise gewonnen und ihre Arbeiten in Schweizer und internationalen KunstrĂ€umen ausgestellt (Stadt Rom, Stadt Helsinki, EPFL SĂŒd, Beijing Design Week, Beijing Triennale, Shanghai Art, Science & Technology Exhibition, SAST Award, Swiss Art Awards, EAC ‚Les Halles‘, Werkschau Architektur 2015).