16.–21. Juli 2018

Amöbe mit großem B

Daniele Bortolotti & Holger Friese

Die Bühne im Bauhaus Dessau war der legendäre Experimentierort im Hauptgebäude des Bauhauses. Hier beschäftigten sich Bauhaus-Lehrer und Schüler mit „dem mechanischen und organischen Körper im Kontext von Raum, Bewegung, Form, Farbe, Licht und Klang“. Fast 100 Jahre nach der Uraufführung des Triadischen Balletts sind wir bereit, das Thema „mechanische und organische Körper“ aus einer neuen Perspektive zu untersuchen. Im ursprünglichen Ballett trugen die Schauspieler Kostüme, verwandelten sich so in mechanische Körper und bewegten sich nach den Anweisungen einer von Menschenhand geschaffenen Choreografie über die Bühne. In unserem Kurs werden wir unmittelbar mit mechanischen Körpern arbeiten, den amoeBen. AmoeBa ist eine im Prozess stehende interaktive Installation. Sie besteht aus kleinen Robotern, die sich in einem vorgegebenen Raum bewegen und mit den Besucher/-innen interagieren. Definierte Parameter sind: die Form der mechanischen Körper, die Sensoren und Aktoren auf der Leiterplatte, ein mittels UWB überwachter Raum – offen sind die Bewegungsmuster und die Ausformung der Interaktion mit den Besucher/-innen. Im Kurs werden wir menschliches und tierisches Verhalten (basierend auf der historischen Theorie der vier Temperamente) analysieren, bewerten und in visuelle Abstraktionen überführen. Die Ergebnisse der Recherchen setzen wir dann in Bewegungsmuster um. Wir werden über unsere eigenen Verhaltens- und Bewegungsmuster reflektieren, lernen Codes für die Roboter zu schreiben, reisen zurück in eine Zeit, in der die Wissenschaft meinte, die Menschen in cholerische, sanguine, phlegmatische und melancholische Typen einteilen zu können. Die Beziehung zwischen den mechanischen und den organischen Körper hat sich in den vergangenen hundert Jahren entwickelt.

first sketch – choleric movement

Entwickelt für: Jede/Jeder, der sich für Mensch-Maschine-Interaktionen interessiert und sein theoretisches oder praktisches Fachwissen mit den anderen Teilnehmer/-innen teilen möchte, gerne mit einem Hintergrund in der Kunst oder der Informatik. Im Kurs wird eine Mischung aus „Gott spielen“ und „Testobjekt sein“ erprobt.

Kurssprachen: Englisch, Deutsch, Italienisch

Bitte mitbringen: Laptop

Daniele Bortolotti (geboren 1984, lebt und arbeitet in Berlin) hat einen Doktortitel (cum laude) in Elektrotechnik von der Universität Bologna. Er war Wissenschaftler an der Ecole polytechnique fédérale de Lausanne (EPFL) in der Schweiz und an der Technischen Universität Berlin. Sein ursprünglicher wissenschaftlicher Schwerpunkt lag auf virtuellen Plattformen für Multiprozessor-on-Chip-Systemen und auf HW/SW-Entwurfsstrategien für Low-Power-Biosensorknoten, die in drahtlosen Sensornetzwerken arbeiten. Seine aktuelle Forschungsinteressen umfassen neuromorphe Low-Power-Architekturen für bioinspirierte Algorithmen und kognitive Anwendungen. Er arbeitet als SoC-Architekt/Entwicklungsingenieur in Paris.

Holger Friese (geboren 1968, lebt und arbeitet in Bernau bei Berlin) ist bildender Künstler und Grafikdesigner. Mitte der neunziger Jahre erregte er mit seinen Internet-basierten Kunstwerken Aufmerksamkeit und stellte seine Arbeiten unter anderem auf der documenta X, SFMOMA und ZKM in Karlsruhe aus. In seiner künstlerischen und professionellen Arbeit ist er daran interessiert, mit anderen Experten zusammenzuarbeiten, um Ideen weiter zu entwickeln, als dies allein möglich ist. Neben seiner täglichen Arbeit hat er Mediengestaltung und Medienkunst an verschiedenen Institutionen gelehrt und Vorträge in Deutschland, Europa und Nordamerika gehalten.